Sie sind hier: StartseiteWir über unsNachrichtenSchüler auf Erkundungstour: Boys' Day beim Bundessprachenamt

Schüler auf Erkundungstour: Boys' Day beim Bundessprachenamt

Boys‘ Day beim BSprA. 
(Bild: © Gramatke/BSprA) Lupe
Boys‘ Day beim BSprA.
(Bild: © Gramatke/BSprA)

"Chinesisch hat keine komplizierte Grammatik, es ist eigentlich nicht schwer zu lernen", behauptete Simon, Gymnasiast aus Jülich und brachte mit dieser Aussage Dr. Christopher Hüllen, stellvertretender Abteilungsleiter der Abteilung Sprachausbildung, zum Schmunzeln: "Schade, dass der Attaché schon weg ist, wenn der das gehört hätte - nach 18 Monaten Chinesisch bei uns." 13 Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 10 aus dem Großraum Köln / Bonn kamen am 28. März zur Erkundungstour durch die Abteilungen des Bundessprachenamtes.

Begrüßung durch Präsident Dietmar Zimmer. 
(Bild: © Gramatke/BSprA) Lupe
Begrüßung durch Präsident Dietmar Zimmer.
(Bild: © Gramatke/BSprA)

Zur Erläuterung: Boys' und Girls' Day ist ein bundesweit einmal jährlich stattfindender Aktionstag mit dem Ziel, Jungen und Mädchen Berufe näher zu bringen, die bevorzugt vom jeweils anderen Geschlecht gewählt werden. Das Bundessprachenamt mit seinem höheren Frauenanteil wollte mit einem Boys' Day ganz gezielt Jungen ansprechen und hatte innerhalb der Bundeswehr damit Exotenstatus: 110 Bundeswehr-Dienststellen öffneten bundesweit zum Girls' Day ihre Tore, zum Boys' Day jedoch nur 4.

Station 1: Schnupperstunde Deutsch als Fremdsprache

Deutsch als Fremdsprache hautnah: Damian aus Kerpen mit Deutschlehrerin Franziska-Sophie Schumann im Unterricht. 
(Bild: © Gramatke/BSprA) Lupe
Deutsch als Fremdsprache hautnah: Damian aus Kerpen mit Deutschlehrerin Franziska-Sophie Schumann im Unterricht.
(Bild: © Gramatke/BSprA)

"Hier werden nur Erwachsene unterrichtet. Fällt denen das nicht schwer? Es heißt doch immer: Jüngere lernen schneller," wollte Damian aus Kerpen wissen. Und hat sich im Bereich Deutsch als Fremdsprache direkt von den Lernfähigkeiten Erwachsener überzeugen können. "Unglaublich, wie gut die alle schon Deutsch können nach nur 3 - 4 Monaten," staunte auch Adrian, Schüler der 8. Klasse eines Kölner Gymnasiums. "Sie hatten als Thema das Parteiensystem und konnten flüssig darüber sprechen." Und Philipp aus Hürth ergänzte: "Sie dürfen auch alle Fehler machen, das ist in Ordnung, keiner lacht. Bei uns ist das leider oft anders." Verteilt auf 12 Parallelklassen wurden die Schüler von den ausländischen Lehrgangsteilnehmern mit Neugier empfangen und direkt in den Unterricht integriert. Und der war nach Meinung der Schüler nicht mit dem in der Schule vergleichbar. Lauris aus Köln meinte seufzend: "Solche Lehrer hätte ich auch gerne, der Unterricht hier ist wirklich etwas ganz anderes."

Station 2: Der (lange) Weg zur fertigen Übersetzung

Praxistest Übersetzen bei Nicole Kusche, SMD 9: Lauris und Lars aus Köln. 
(Bild: © Oellrich/BSprA) Lupe
Praxistest Übersetzen bei Nicole Kusche, SMD 9: Lauris und Lars aus Köln.
(Bild: © Oellrich/BSprA)

Erstaunte Gesichter gab es bei der Tour durch die Referate SMD 2 (Arbeitsprozess Übersetzen, Sprachtechnologie, Terminologie) und SMD 9 (Marine) und beim Blick über die Sprachmittler-Schultern. So viele Schritte bis zur fertigen Übersetzung: Von der Fremdsprachenassistentin bis zur Überprüferin. Und was bitte macht ein Ter…mi…nologe? Dass diese Berufsgruppe unter anderem hinter Wörterbüchern steckt, war den Schülern nicht klar, geschweige denn, dass es diesen Beruf überhaupt gibt und er jede Menge Recherche und Detailarbeit bedeutet.
Bei den Wörterbüchern sind vor allem Online-Wörterbücher unter Schülern sehr beliebt und verbreitet. Mal eben ein einzelnes Wort aus einer Fremdsprache nachzuschlagen, ist in allgemeinsprachlichen Texten meist unproblematisch, Übersetzersoftware ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Computerlinguist André Pfarr zeigte den Jugendlichen seine Beispielsammlung an Stilblüten, die passieren, wenn Unternehmen Geld sparen wollen und die Übersetzung statt Fachleuten einer Software überlassen. Die inhaltliche Aussage kommt abhanden, im besten Fall führt das Ergebnis noch zu Lachern.

Besonders beeindruckt zeigten sich die Schüler von den riesigen Datenbanken, die hinter einem System wie Trados stehen. Dieses Tool durfte dann auch bei SMD 9 einem Praxistest unterzogen werden. Für Gymnasiast Tristan aus Köln war dies völliges Neuland: "Die Abläufe beim Übersetzen finde ich super interessant, das habe ich mir so gar nicht vorgestellt." Und Paul pflichtete ihm bei: "Marine und ABC-Abwehr, das sind so viele und anspruchsvolle Inhalte, ich dachte immer, Übersetzen wäre nicht so spannend, aber das stimmt ja gar nicht, man muss so viel wissen." Arthur, Schüler der 8. Klasse aus Bonn, bringt es auf den Punkt: "Wer denkt denn schon daran, wenn man zum Beispiel Anleitungen liest, dass die übersetzt wurden. Da habe ich jetzt ganz andere Einblicke."

Begehrte Plätze

Das Fazit dieses Pilotdurchganges: rundum gelungen und bereichernd. Sicher nicht alle Schüler wurden als neue Kollegen des übernächsten Jahrzehnts gewonnen, aber auf jeden Fall 13 junge Multiplikatoren in Sachen Sprachen und Bundessprachenamt.

Der nächste Boys' Day ist am 26. März 2020. Wer dafür einen Platz beim Bundessprachenamt ergattern möchte, der muss schnell sein. 7400 Anbieter gab es 2019 deutschlandweit, und das Bundessprachenamt war unter den 8 bundesweit interessantesten Angebote gelistet. Die Plätze waren kurz nach Veröffentlichung ausgebucht.



Stand vom 03.04.2019 |Text: © Oellrich/BSprA /Fotos: © Oellrich & Gramatke/BSprA